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Verein

Es war noch in der Kaiserzeit, als zwölf Herforder Männer den Verein für Luftfahrt gründeten. Das war genau am 13. Dezember 1912. Von „Luftsport“ war damals noch nicht die Rede. Vielmehr war der Satzungszweck: „Die Pflege und Förderung der Luftfahrt und aller damit zusammenhängenden Interessen im Gebiet des Stadt- und Landkreises Herford“. Die Interessen waren eher patriotischer Natur und galten in erster Linie der kaiserlichen Ballon und Luftschifffahrt. „Luftfahrt“, dass war seinerzeit ohnehin ein neuer Begriff, so etwas gab es erst seit einigen Jahren, und der Verein wollte mit dazu beitragen, dass dieses neue Abenteuer eine weite Verbreitung und Unterstützung auf Herforder Boden fand.

Später, als dann die Wirren des ersten Weltkriegs langsam ihre dunklen Schatten verloren und das Vereinsleben wieder auferstand, wurden Flugtage auf dem Füllenbruch – Herfords erstem Flugplatz – mit großem Erfolg abgehalten. 1928 gab es den ersten und bis heute einzigen Freiballon, der bis in die 30er Jahre von Herford aus viele Fahrten machte.
Doch das Ballonfahren war teuer. Es konnten sich nur gutsituierte Herforder Bürger diese Art der Luftfahrt gönnen.

Ab 1925 keimte eine andere Art der Fortbewegung durch die Lüfte im Verein. Angespornt von den spektakulären Erfolgen der Segelflieger in der Rhön und in den Dünen der kurischen Nehrung bei Rossitten in Ostpreußen, bildete sich eine Jungfliegergruppe im Verein, die mit den wesentlich preiswerteren Methoden des Segelflugs vom Boden abheben wollte.
Inzwischen hatte sich der Begriff „Luftsport“ längst breit gemacht. Beide Luftsportarten, Segelflug und Ballonfahren, existierten parallel im HVfL über etwa zehn Jahre. Die jungen wollten Segelfliegen und die älteren immer nur Ballonfahren, wie es aus der Chronik hervorgeht.

Doch dann kam die dunkle Zeit der NSDAP. Der Verein wurde gleichgeschaltet, der Segelflug zur vormilitärischen Ausbildung degradiert und die vorher zwanglose und für alle Späße zu habende Jungfliegergruppe durch die neuen Machthaber unter Druck gesetzt. Doch man wollte fliegen, und so fügte man sich der unbequemen Vereinsgängelei von oben. Letztendlich auch deswegen, weil den Fliegern mehr Flugzeuge als in den Jahren zuvor zugesprochen wurden, streng nach der Methode: „Mit Speck fängt man Mäuse“.

Viele der Vereinskameraden wurden bis 1945 zur Luftwaffe eingezogen. Ein großer Teil davon kehrte nicht mehr zurück. Das Vereinsleben lag zum zweiten Mal am Boden. Erst 1950 kam es wieder in Gang, als sich eine Handvoll ehemaliger und inzwischen zugereister Flieger heimlich eine Interessengemeinschaft Segelflug (IGS) gründeten, denn die Bildung von Flugsportvereinen war durch die Siegermächte untersagt.

Ein Jahr später fiel diese Barriere, der HVfL lebte sofort wieder auf. Die Mitgliederzahl war enorm, denn zu den 54 Männern der IGS kamen bei der Wiedergründung weitere 78 Anwesende hinzu! Die Zeit des Flugverbots ging bald darauf ebenfalls zu Ende. „Hurra, wir dürfen wieder fliegen!“, hieß es. Doch womit? Alle Flugzeuge wurden bei Kriegsende beschlagnahmt oder vernichtet.

Der Modellflug diente zunächst als Notnagel. Das erste Flugzeug kam aus Münster und war ein Schulgleiter SG38.
Bald folgte ein Grunau Baby und eine Winde, die aus einem alten Horch entstand, wobei die Trommel die Stelle des linken Hinterrads einnahm. Der Horch wurde entsprechend aufgebockt und los ging der Flugbetrieb. Nach Feierabend machten die Vereinsmitglieder aus der Winde wieder ein straßentaugliches Gefährt, denn man wollte ja wieder zurück nach Herford.
Seit der Zeit ging es ständig bergauf im HVfL. Man machte die Zeit der Leistungsexplosion in allen Phasen mit, als einerseits die alten Gleiter durch immer moderner und leistungsfähiger werdende Kunststoffmuster abgelöst wurden, und andererseits das Streckenfliegen durch unseren Herforder Fluglehrer Fred Weinholtz mit seinem bahnbrechenden Buch „Grundtheorie des modernen Strecken-Segelflugs“ einen weltweiten Aufschwung erhielt. Auch andere wichtige Fakten, die den Segelflug förderten oder beschützten, wie z.B. die Einführung der Club-Klasse oder das Abwehren der Pläne der unseligen Schlieker-Kommission, die den Segelflug nur an Wochenenden und dann nur noch in kleinen Lufträumen zulassen wollte – was das Ende des Streckensegelflugs gewesen wäre -, konnte mit Initiativen aus Herford bewerkstelligt werden.

In der Zwischenzeit gesellte sich der Motorflug hinzu, der sich gegen erste Bedenken harmonisch als zweites Standbein des Flugbetriebs der Herforder etablierte. Auch die Winden des Vereins bauten mit wenigen Ausnahmen die Mitgliedern selbst.

Heute ist der HVfL ein Verein, der mit den elitären Anfängen der Kaiserzeit nicht mehr zu vergleichen ist. Über die Jahre hinweg hat er alle Stationen der Wandlung von einem Club für die obere Bürgerklasse zu einem Verein mit Volkssportcharakter mitgemacht. Nun sieht er im Dezember 2012 seinem 100. Geburtstag entgegen! Und noch ein Geburtstag steht an. Das 1961 in Herford gebaute Flugzeugmuster Ka 8b mit der Kennung D-5727 wird nach ständigem Flugbetrieb im Juli 2011 50 Jahre alt und sieht nun im Mai 2011 seiner Ernennung zu einem „beweglichen technischen Denkmal“ entgegen!